Montag, 2. Januar 2012

Solidarität mit Soldaten on- und offline

Eine Veteranenkultur wie in den USA gibt es in Deutschland nicht. In sozialen Netzwerken wird jedoch immer mehr Anerkennung für Soldaten und Veteranen geäußert. In der Vergangenheit hat die Atlantische Initiative zusammen mit der BILD Zeitung bereits einen Beitrag für mehr Anerkennung geleistet. Heute sollten gerade die Bundestagsabgeordneten lokal für mehr Rückhalt der Soldaten in der Bevölkerung werben*.

Support our Troops?
In den USA hört man diesen Satz häufig. In Deutschland, so scheint es, findet die Arbeit der Bundeswehr im Vergleich zu anderen Ländern weniger Anerkennung.

Jedoch hat sich im Internet, vor allem bei Facebook, eine durchaus wahrnehmbare deutsche Community gebildet, die ihre Solidarität mit den Soldaten ausdrückt. Für den Beobachter bleibt aber nicht verborgen, dass es vielfach Menschen aus der Bundeswehr selbst oder ihrem Umfeld sind, die sich auf den einschlägigen Seiten aktiv beteiligen. Nichtsdestotrotz leisten etablierte Seiten wie das inoffizielle Bundeswehr-Profil mit mehr als 57.000 Fans und die Kampagne der Bundeswehr „Wir.Dienen.Deutschland.“ dabei wichtige Beiträge in den sozialen Netzwerken, um für Anerkennung der Arbeit der Soldaten zu werben.

Die Feldpostaktion
Prominente offline Aktionen aus der Zivilgesellschaft zur Demonstrationen sind rar, wenngleich sich auf der lokalen Ebene immer wieder Aktionen finden (Beispiele: Hochschulgruppe für Sicherheitspolitik in Würzburg, Schweigemarsch in Berlin, Paketaktion). Eine der wohl prominentesten Aktionen, online durchgeführt, aber mit offline Resultaten, unternahmen Atlantische Initiative und BILD im November 2010. Beide Partner riefen gemeinsam die Bürger dazu auf, Feldpostbriefe an die Soldaten in Afghanistan einzusenden.

Über 1200 Bürger schrieben ihre Unterstützungsbriefe an die BILD, die alle Einsendungen veröffentlichte. Der damalige Verteidigungsminister Guttenberg begrüßte die Aktion ausdrücklich und erklärte, „das ist eine tolle Gemeinschaftsaktion von Atlantischer Initiative und BILD. Unsere Soldaten haben diese sichtbare und breite Unterstützung mehr als verdient.“

Die Bandbreite der Einsendungen reflektierte dabei auch verschiedene zivilgesellschaftliche Strömungen. So wurde in Einsendung sowohl vom Heldentum gesprochen, „kommt heil nach Hause“ gewünscht, aber auch von laut eigener Aussage überzeugten Pazifisten „ehrliche Anerkennung für die Arbeit“ der Soldaten zum Ausdruck gebracht. Es wurde deutlich, dass die Soldaten über mehr Rückhalt in der Gesellschaft verfügen, als es vielleicht manchmal den Anschein hat.

Unterstützung heute
Mindestens zwei Jahre, wahrscheinlich aber noch länger, bleibt die Bundeswehr in Afghanistan präsent. Mandate für andere Auslandseinsätze wie im Kosovo und am Horn von Afrika werden wohl wieder vom Deutschen Bundestag verlängert werden. Neue Einsätze könnten dazu kommen. Grund genug für die deutsche Gesellschaft immer wieder lokal wie prominent, online wie offline ihre Solidarität mit den Soldaten im Einsatz auszudrücken.

Es ist ein weit verbreitetes Missverständnis, dass ein Ausdruck von Solidarität mit den Soldaten eine Zustimmung zum Einsatz bedeuten würde. Dies ist nicht der Fall. Wie man eine bestimmte politische Entscheidung bewertet, hat nichts damit zu tun, wie man sich denen gegenüber verhält, die diese Entscheidung ausführen.

Da die Bundeswehr eine Parlamentsarmee ist, liegt es weniger an Bundesregierung und Bundeswehr, sondern vielmehr an den die Soldaten in Einsätze entsendenden Parlamentariern selbst, für Rückhalt und Anerkennung in der Gesellschaft zu werben. Regierung und Armee leisten gute Arbeit, um der Bevölkerung die Arbeit der Soldaten näher zu bringen.

Gerade die Bundestagsabgeordneten, die ja immer in ihren Wahlkreisen unterwegs sind, könnten in der Bevölkerung mehr Bereitschaft zum Ausdruck von Solidarität hervorrufen. Man muss dabei betonen, Einsätze selbst kann man befürworten oder ablehnen, aber diejenigen, die von gewählten Volksvertretern in diese Einsätze geschickt werden, verdienen auch den Respekt derjenigen, die diese Volksvertreter wählen.

*Dieser Artikel wurde zuerst am 02. Januar 2012 auf Deutschlands Agenda veröffentlicht

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