Eine Veteranenkultur wie in den USA gibt es in Deutschland
nicht. In sozialen Netzwerken wird jedoch immer mehr Anerkennung für
Soldaten und Veteranen geäußert. In der Vergangenheit hat die
Atlantische Initiative zusammen mit der BILD Zeitung bereits einen
Beitrag für mehr Anerkennung geleistet. Heute sollten gerade die
Bundestagsabgeordneten lokal für mehr Rückhalt der Soldaten in der
Bevölkerung werben*.
Support our Troops?
In den USA hört man diesen Satz häufig. In Deutschland, so scheint
es, findet die Arbeit der Bundeswehr im Vergleich zu anderen Ländern
weniger Anerkennung.
Jedoch hat sich im Internet, vor allem bei Facebook, eine durchaus
wahrnehmbare deutsche Community gebildet, die ihre Solidarität mit den
Soldaten ausdrückt. Für den Beobachter bleibt aber nicht verborgen, dass
es vielfach Menschen aus der Bundeswehr selbst oder ihrem Umfeld sind,
die sich auf den einschlägigen Seiten aktiv beteiligen. Nichtsdestotrotz
leisten etablierte Seiten wie das inoffizielle Bundeswehr-Profil mit mehr als 57.000 Fans und die Kampagne der Bundeswehr „Wir.Dienen.Deutschland.“ dabei wichtige Beiträge in den sozialen Netzwerken, um für Anerkennung der Arbeit der Soldaten zu werben.
Die Feldpostaktion
Prominente offline Aktionen aus der Zivilgesellschaft zur
Demonstrationen sind rar, wenngleich sich auf der lokalen Ebene immer
wieder Aktionen finden (Beispiele: Hochschulgruppe für Sicherheitspolitik in Würzburg, Schweigemarsch in Berlin, Paketaktion).
Eine der wohl prominentesten Aktionen, online durchgeführt, aber mit
offline Resultaten, unternahmen Atlantische Initiative und BILD im November 2010. Beide Partner riefen gemeinsam die Bürger dazu auf,
Feldpostbriefe an die Soldaten in Afghanistan einzusenden.
Über 1200 Bürger schrieben ihre Unterstützungsbriefe an die BILD, die alle Einsendungen veröffentlichte. Der damalige Verteidigungsminister Guttenberg begrüßte die Aktion ausdrücklich und erklärte,
„das ist eine tolle Gemeinschaftsaktion von Atlantischer Initiative und
BILD. Unsere Soldaten haben diese sichtbare und breite Unterstützung
mehr als verdient.“
Die Bandbreite der Einsendungen reflektierte dabei auch verschiedene
zivilgesellschaftliche Strömungen. So wurde in Einsendung sowohl vom
Heldentum gesprochen, „kommt heil nach Hause“ gewünscht, aber auch von
laut eigener Aussage überzeugten Pazifisten „ehrliche Anerkennung für
die Arbeit“ der Soldaten zum Ausdruck gebracht. Es wurde deutlich, dass
die Soldaten über mehr Rückhalt in der Gesellschaft verfügen, als es
vielleicht manchmal den Anschein hat.
Unterstützung heute
Mindestens zwei Jahre, wahrscheinlich aber noch länger,
bleibt die Bundeswehr in Afghanistan präsent. Mandate für andere
Auslandseinsätze wie im Kosovo und am Horn von Afrika werden wohl wieder
vom Deutschen Bundestag verlängert werden. Neue Einsätze könnten dazu kommen.
Grund genug für die deutsche Gesellschaft immer wieder lokal wie
prominent, online wie offline ihre Solidarität mit den Soldaten im
Einsatz auszudrücken.
Es ist ein weit verbreitetes Missverständnis, dass ein Ausdruck von
Solidarität mit den Soldaten eine Zustimmung zum Einsatz bedeuten würde.
Dies ist nicht der Fall. Wie man eine bestimmte politische Entscheidung
bewertet, hat nichts damit zu tun, wie man sich denen gegenüber
verhält, die diese Entscheidung ausführen.
Da die Bundeswehr eine Parlamentsarmee ist, liegt es weniger an
Bundesregierung und Bundeswehr, sondern vielmehr an den die Soldaten in
Einsätze entsendenden Parlamentariern selbst, für Rückhalt und
Anerkennung in der Gesellschaft zu werben. Regierung und Armee leisten
gute Arbeit, um der Bevölkerung die Arbeit der Soldaten näher zu
bringen.
Gerade die Bundestagsabgeordneten, die ja immer in ihren Wahlkreisen
unterwegs sind, könnten in der Bevölkerung mehr Bereitschaft zum
Ausdruck von Solidarität hervorrufen. Man muss dabei betonen, Einsätze
selbst kann man befürworten oder ablehnen, aber diejenigen, die von
gewählten Volksvertretern in diese Einsätze geschickt werden, verdienen
auch den Respekt derjenigen, die diese Volksvertreter wählen.
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