Trotz des Maya-Kalenders wird uns der Weltuntergang wohl auch 2012
erspart bleiben. Nichtsdestotrotz bietet das kommende Jahr ein breites Tableau
an potenziellen Untergangskandidaten. Hier die Top Five der Kandidaten für den größten relativen
Abstieg.
Platz 5: Al Qaida
Geht alleine deswegen langsam
aber sicher unter, weil sich mit Ausnahme der Sensoren amerikanischer Drohnen und den Navy SEALs keiner mehr für das Terrornetzwerk interessiert.
Dieses Jahr wurde überdeutlich,
in der arabischen Welt gibt es keine Sehnsucht nach dem Märtyrertod, sondern
einzig und allein eine Sehnsucht nach Freiheit. Dass diese Sehnsucht keine
Eintagsfliege ist, beweisen die wiederkehrenden Demonstrationen auf dem Tahrir
und die Revolution in Syrien. Ferner wurde in Libyen und jetzt in Syrien nicht
gegen das westliche Militär gehetzt, sondern bisweilen dessen Eingreifen gefordert. Ein
strategisches Desaster für Al Qaida.
Schließlich wird bei Facebook
wird nicht zum Kampf gegen die Ungläubigen, sondern in massivem Umfang zum
Kampf gegen die eigenen diktatorischen Regime aufgerufen (z. Bsp. Coalition for Free Syria). Sicher, islamistisch
motivierte Terroranschläge sind niemals auszuschließen, aber den ideologischen
Kampf hat Al Qaida verloren. Die Symbolfigur Bin Laden ist Tod und sein
Netzwerk wird ihm nach und nach folgen.
Platz 4: Abrüstung und Global Zero
Ein paar Aktivisten halten die
Träume von (nuklearer) Abrüstung noch am Leben. Die Fakten sprechen aber eine andere Sprache. Russland und die USA modernisieren ihre Arsenale und lassen
sowohl den nuklearen, wie konventionellen Abrüstungsankündigungen wenig Taten
folgen, "denn allein in den vergangenen sieben Monaten wurden in den USA lediglich zehn aktive Sprengköpfe demontiert und der russische Bestand sogar um neue 29 erweitert". Was in den USA und Europa überhaupt abgerüstet wird, ist allein der Haushaltslage
geschuldet.
Die maritime, konventionelle und
nukleare Rüstungsspirale in Asien konterkariert jede Abrüstungsrede. Nicht zu
vergessen, dass die digitale Aufrüstung in allen Staaten gerade einen
beispiellosen Aufstieg erlebt. Selbst in Deutschland, wo der Außenminister
versprochen hat, seine Außenpolitik sei Abrüstungspolitik erreicht der Rüstungsexport neue Rekorde. Zeit sich Problemen zuzuwenden, deren Lösung mehr
Erfolg verspricht.
Platz 3: Arabische Diktaturen
Müssen sich jetzt an ihren eigenen
Maßstäben messen lassen, die sie mit Sanktionen, Erklärungen und Embargos gegenüber Syrien gesetzt haben. Selbstverständlich kriegen die Menschen, vor
allem die Jugend über Al Jazeera und Internet mit, was die Arabische Liga
beschließt und was sie tut.
Damit wäre es für die Regime
politisch nicht durchzuhalten, würden sie im Falle von Revolutionen Gewalt
gegen die eigene Bevölkerung einsetzen. Hat die Revolution in Syrien Erfolg,
etablieren sich in Tunesien, Libyen und Ägypten halbwegs vernünftig
funktionierende Demokratien, sind Qatar, die VAE und Saudi Arabien als Nächstes
dran. Auch dort gibt es eine Jugend, die, gerade unter den Frauen, gierig nach Freiheit ist.
Platz 2: USA
Mitten im Wahlkampf sind die USA
schlicht zu zerstritten, als das die Welt aus Washington große Würfe erwarten
kann. Außerdem sind die USA schlicht zu pleite und die Wirtschaft ist zu
marode. Der relative Abstieg der Supermacht wird dadurch beschleunigt, dass genug
andere Staaten (BRICS) immer weiter aufsteigen und von Nehmer- zu Geberländern für den Westen werden.
Platz 1: Europa – Wer sonst?
Europa scheitert nicht am Euro,
sondern am europäischen Politikverständnis. Die momentane Politik Europas zur
Rettung des Euros lässt sich in sechs Worten zusammenfassen: Mehr Geld, mehr
Geld, mehr Geld! Was, wenn aber kein (deutsches) Geld mehr da ist?
Alternativkonzepte dazu, als mit mehr Geld Zeit zu kaufen, gibt es ja nicht.
Die Europäer haben immer noch
nicht begriffen, dass ihr Problem nie die Verträge, Beschlüsse oder
Institutionen waren. Europas Kernproblem war, ist und bleibt wohl, dass allein
die Beschluss- und Kompromissfassung als solche als politischer Erfolg gilt,
deren Umsetzung danach für die Frage nach Erfolg oder Misserfolg aber keine
Rolle mehr spielt. Europa befindet sich nicht wegen schlechter Verträge und
Beschlüsse im Zustand offener Erosion, sondern alleine deswegen, weil diese
Beschlüsse und Verträge schlecht, ungenügend oder gar nicht umgesetzt wurden.
Europa kommt nur dann aus der
Krise, wenn sich am europäischen Politikverständnis dahin gehend etwas ändert,
dass nicht mehr Beschluss und Kompromissfindung, sondern allein deren Umsetzung
(!!!) für die Definition politischen Erfolgs bestimmend ist. Mit einem
nüchternen Blick auf Europas politische Klasse ist mit der dringend notwendigen
Reform des Politikverständnisses allerdings nicht zu rechnen.
Europa war immer unheimlich gut im besser wissen, aber unheimlich schlecht im besser machen. Wenn es dabei bleibt, heißt es „Gute Nacht“. Das bekannte Zusammenspiel aus Demografie, Staatsfinanzen und Sozialsystem erledigt für Europas Abstieg mittel- und langfristig den Rest.
0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen