Donnerstag, 1. Dezember 2011

Top Five der Untergangskandidaten 2012

Trotz des Maya-Kalenders wird uns der Weltuntergang wohl auch 2012 erspart bleiben. Nichtsdestotrotz bietet das kommende Jahr ein breites Tableau an potenziellen Untergangskandidaten. Hier die Top Five der Kandidaten für den größten relativen Abstieg.

Platz 5: Al Qaida
Geht alleine deswegen langsam aber sicher unter, weil sich mit Ausnahme der Sensoren amerikanischer Drohnen und den Navy SEALs keiner mehr für das Terrornetzwerk interessiert.

Dieses Jahr wurde überdeutlich, in der arabischen Welt gibt es keine Sehnsucht nach dem Märtyrertod, sondern einzig und allein eine Sehnsucht nach Freiheit. Dass diese Sehnsucht keine Eintagsfliege ist, beweisen die wiederkehrenden Demonstrationen auf dem Tahrir und die Revolution in Syrien. Ferner wurde in Libyen und jetzt in Syrien nicht gegen das westliche Militär gehetzt, sondern bisweilen dessen Eingreifen gefordert. Ein strategisches Desaster für Al Qaida.

Schließlich wird bei Facebook wird nicht zum Kampf gegen die Ungläubigen, sondern in massivem Umfang zum Kampf gegen die eigenen diktatorischen Regime aufgerufen (z. Bsp. Coalition for Free Syria). Sicher, islamistisch motivierte Terroranschläge sind niemals auszuschließen, aber den ideologischen Kampf hat Al Qaida verloren. Die Symbolfigur Bin Laden ist Tod und sein Netzwerk wird ihm nach und nach folgen.

 
Platz 4: Abrüstung und Global Zero
Ein paar Aktivisten halten die Träume von (nuklearer) Abrüstung noch am Leben. Die Fakten sprechen aber eine andere Sprache. Russland und die USA modernisieren ihre Arsenale und lassen sowohl den nuklearen, wie konventionellen Abrüstungsankündigungen wenig Taten folgen, "denn allein in den vergangenen sieben Monaten wurden in den USA lediglich zehn aktive Sprengköpfe demontiert und der russische Bestand sogar um neue 29 erweitert". Was in den USA und Europa überhaupt abgerüstet wird, ist allein der Haushaltslage geschuldet.

Die maritime, konventionelle und nukleare Rüstungsspirale in Asien konterkariert jede Abrüstungsrede. Nicht zu vergessen, dass die digitale Aufrüstung in allen Staaten gerade einen beispiellosen Aufstieg erlebt. Selbst in Deutschland, wo der Außenminister versprochen hat, seine Außenpolitik sei Abrüstungspolitik erreicht der Rüstungsexport neue Rekorde. Zeit sich Problemen zuzuwenden, deren Lösung mehr Erfolg verspricht.

Platz 3: Arabische Diktaturen
Müssen sich jetzt an ihren eigenen Maßstäben messen lassen, die sie mit Sanktionen, Erklärungen und Embargos gegenüber Syrien gesetzt haben. Selbstverständlich kriegen die Menschen, vor allem die Jugend über Al Jazeera und Internet mit, was die Arabische Liga beschließt und was sie tut.

Damit wäre es für die Regime politisch nicht durchzuhalten, würden sie im Falle von Revolutionen Gewalt gegen die eigene Bevölkerung einsetzen. Hat die Revolution in Syrien Erfolg, etablieren sich in Tunesien, Libyen und Ägypten halbwegs vernünftig funktionierende Demokratien, sind Qatar, die VAE und Saudi Arabien als Nächstes dran. Auch dort gibt es eine Jugend, die, gerade unter den Frauen, gierig nach Freiheit ist.

Platz 2: USA
Mitten im Wahlkampf sind die USA schlicht zu zerstritten, als das die Welt aus Washington große Würfe erwarten kann. Außerdem sind die USA schlicht zu pleite und die Wirtschaft ist zu marode. Der relative Abstieg der Supermacht wird dadurch beschleunigt, dass genug andere Staaten (BRICS) immer weiter aufsteigen und von Nehmer- zu Geberländern für den Westen werden.

Platz 1: Europa – Wer sonst?
Europa scheitert nicht am Euro, sondern am europäischen Politikverständnis. Die momentane Politik Europas zur Rettung des Euros lässt sich in sechs Worten zusammenfassen: Mehr Geld, mehr Geld, mehr Geld! Was, wenn aber kein (deutsches) Geld mehr da ist? Alternativkonzepte dazu, als mit mehr Geld Zeit zu kaufen, gibt es ja nicht.

Die Europäer haben immer noch nicht begriffen, dass ihr Problem nie die Verträge, Beschlüsse oder Institutionen waren. Europas Kernproblem war, ist und bleibt wohl, dass allein die Beschluss- und Kompromissfassung als solche als politischer Erfolg gilt, deren Umsetzung danach für die Frage nach Erfolg oder Misserfolg aber keine Rolle mehr spielt. Europa befindet sich nicht wegen schlechter Verträge und Beschlüsse im Zustand offener Erosion, sondern alleine deswegen, weil diese Beschlüsse und Verträge schlecht, ungenügend oder gar nicht umgesetzt wurden.

Europa kommt nur dann aus der Krise, wenn sich am europäischen Politikverständnis dahin gehend etwas ändert, dass nicht mehr Beschluss und Kompromissfindung, sondern allein deren Umsetzung (!!!) für die Definition politischen Erfolgs bestimmend ist. Mit einem nüchternen Blick auf Europas politische Klasse ist mit der dringend notwendigen Reform des Politikverständnisses allerdings nicht zu rechnen.

Europa war immer unheimlich gut im besser wissen, aber unheimlich schlecht im besser machen. Wenn es dabei bleibt, heißt es „Gute Nacht“. Das bekannte Zusammenspiel aus Demografie, Staatsfinanzen und Sozialsystem erledigt für Europas Abstieg mittel- und langfristig den Rest.  

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen