Sonntag, 11. Dezember 2011

Top 5 der Aufstiegskandidaten 2012


Das kommende Jahr bietet nicht nur Untergangs-, sondern auch auf Aufstiegskandidaten.  Hier gibt es die Top 5 Aufstiegskandidaten mitsamt einem Schlusskommentar zu Deutschland und Europa. Indien und China sind dabei schon eingepreist, wobei man in Sachen China ohnehin noch genau auf die Immobilienblase achten muss.
 
Platz 5: Brasilien
Motivation ist ein nicht zu unterschätzender Aufstiegsfaktor. Zwei Jahre vor der Fußball-WM und vier Jahre vor den Olympischen Spielen dürfte die Motivation in Brasilien, das Land nach vorne zu bringen, wohl nur noch wachsen. Schließlich geht es darum, von 2014-2016 der ganzen Welt ein positives Image des Landes zu vermitteln. Von Gefechten in den Favelas hört man ja mittlerweile auch nichts mehr.
                              
Brasiliens demographische Entwicklung ist, anders als in China oder Europa, positiv und die Wirtschaft wächst. Mittlerweile heißt es, Brasilien könne Deutschland als viertgrößte Volkswirtschaft der Welt 2025 überholen. Die technischen Probleme bei den Tiefseebohrungen nach Öl vor Brasiliens Küste werden sich auch lösen lassen. Wo viel Öl ist, findet sich auch ein Förderweg. Nicht zuletzt schwingt sich Brasilien auch auf, ein militärischer Mitspieler im globalen Konzert zu werden.


Platz 4: ASEAN
Hervorgehoben wird aktuell vor allem Indonesien. Nichtsdestotrotz sollte gerade der Bali-Gipfel als Beleg dafür gelten, auf welchem Weg nach oben sich die ASEAN-Staaten befinden. US-Außenministerin Hillary Clinton fährt ja sogar trotz (oder gerade wegen?) der Militärdiktatur nach Myanmar (ASEAN-Mitglied), was dazu führt, dass schon von einem neuen Great Game zwischen den USA und China in dem Land gesprochen wird. Indien, China, Japan, Russland, Australien und die USA: Alle rangeln um Einfluss in dieser Region.

Wirtschaftlich geht es, wenn auch zugegeben mit manchem Hindernis wie Korruption, weiter nach oben, so dass die ASEAN-Staaten als „Asiens neue Wachstumslokomotive“ oder „wirtschaftliche Kraftwerke“ bezeichnet werden. Wirtschaftswachstum und Geopolitik sei Dank, geht es für ASEAN nächstes Jahr politisch steil nach oben.  

Platz 3: Australien
Wenn die USA sich mitten im Washingtoner Etatkürzungs-Krieg dafür entscheiden, in einem Land eine neue Militärbasis einzurichten, dann muss dieses Land eine hohe geostrategische Bedeutung haben. Die Errichtung der neuen Basis bei Darwin im Norden Australien ergibt sich natürlich aus dem geopolitischen Bedeutungszuwachs ASEANs und Asiens. Die australische Wirtschaft wächst, die wirtschaftlichen Zukunftsprognosen sind günstig und in Zeiten des Rohstoffhungers garantieren Australiens große Vorkommen an Kohle, Eisen, Kupfer, Gold, Gas und Uran den weiteren Aufstieg des Landes fast von allein. Von nicht unerheblicher geopolitischer Bedeutung ist es da, dass sich Australien gerade entschieden hat, Uran an die Atommacht Indien zu verkaufen.  

In Deutschland nur wenig beachtet wurde Barack Obamas vom 17.11.2011 in Canberra vor dem australischen Unterhaus. Vier Sätze aus Obamas Rede, wenngleich sie im Text nicht so direkt aufeinander folgen, verdienen es hier wortwörtlich in dieser Reihenfolge wiedergeben zu werden: 1. „Here, we see the future”; 2. “The United States is a Pacific power, and we are here to stay”;  3. “We see our new posture here in Australia”; 4. „As a result, reductions in U.S. defense spending will not-I repeat, will not-come at the expense of the Asia Pacific”.

In einem europäischen Parlament wird ein amerikanischer Präsident in den nächsten 50 Jahren keine solche Rede halten. Der Obama´sche Ritterschlag, die geostrategische Lage zusammen mit der hervorragenden wirtschaftlichen Ausgangsbasis rechtfertigen in jedem Platz 3 in dieser Liste.

Platz 2: Cyber-Außen-/Sicherheitspolitik
Wächst dieses Jahr, nächstes Jahr und in den folgenden Jahren immer mehr an Bedeutung, ohne dass das in einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Google, Apple, Amazon und Facebook tragen den kommerziellen Krieg um die Herrschaft im Internet aus. Hinter den Kulissen werden logische Bomben als neue Mittel der Abschreckung in gegnerischen Netzenuntergebracht (USA-China), spionieren sich die Staaten gnadenlos aus. Bei der jüngst abgeschossenen US-Drohne im Iran geht es ja auch darum, ob es dem Iran gelungen ist oder durch nun zu erwerbendes Wissen gelingen wird, in US-Netzwerke einzudringen. Das Internet dominiert Politik und Wirtschaft, so dass es für die Politik unumgänglich ist, sich diesem Thema noch stärker anzunehmen.  

Platz 1: Transnationale Zivilgesellschaft/Internetgeneration
Das Internet dominiert nicht nur Politik und Wirtschaft, sondern – und das ist positiv – auch mehr und mehr die transnationale Zivilgesellschaft. Tunesien, Ägypten, Libyen, Syrien, Russland: die Liste der Länder, in denen das Internet. Eine junge Generation vernetzt sich rund um den Globus über den Globus. Egal, wie man inhaltlich zur Occupy-Bewegung steht, das Stattfinden der Vernetzung als solche ist eine gute Sache. Dieser Trend ist gerade erst im Werden. Richtig, der Hype wird abebben, aber genauso muss es sein. Wird die fortschreitende Vernetzung der jungen Generation Alltag, ist der Freiheit in der Welt damit weit mehr gedient, als mit allen politischen Sonntagsreden über Demokratisierung zusammengenommen. Die technische Entwicklung geht unaufhaltsam voran. Der Wille zur Nutzung ist ungebrochen. Damit Platz 1.

Was können Deutschland und Europa tun?
Gegenüber Brasilien reicht es völlig aus, sich auf das sportliche, sprich den Gewinn der WM zu konzentrieren. Beim Bali-Gipfel war Europa nicht mal mit Beobachtern dabei und Australien hat wenig bis gar kein Interesse an Europa. Dass die EU, so sieht sie sich ja selbst immer noch, angeblich ein internationaler Akteur ist, ist in Australien unbekannt.

An vielen Stellen in der Welt geht es aufwärts. Deutschland, Europa, wenn ihr davon profitieren wollt, schreibt eure Hausaufgaben nicht in neuen Verträgen auf, sondern erledigt sie ganz einfach.

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