Das kommende Jahr bietet nicht nur Untergangs-, sondern auch auf
Aufstiegskandidaten. Hier gibt es die
Top 5 Aufstiegskandidaten mitsamt einem Schlusskommentar zu Deutschland und Europa. Indien und China sind
dabei schon eingepreist, wobei man in Sachen China ohnehin noch genau auf die
Immobilienblase achten muss.
Platz 5: Brasilien
Motivation ist ein nicht zu
unterschätzender Aufstiegsfaktor. Zwei Jahre vor der Fußball-WM und vier Jahre
vor den Olympischen Spielen dürfte die Motivation in Brasilien, das Land nach
vorne zu bringen, wohl nur noch wachsen. Schließlich geht es darum, von
2014-2016 der ganzen Welt ein positives Image des Landes zu vermitteln. Von
Gefechten in den Favelas hört man ja mittlerweile auch nichts mehr.
Brasiliens demographische
Entwicklung ist, anders als in China oder Europa, positiv und die Wirtschaft
wächst. Mittlerweile heißt es, Brasilien könne Deutschland als viertgrößte Volkswirtschaft der Welt 2025 überholen. Die technischen Probleme bei den
Tiefseebohrungen nach Öl vor Brasiliens Küste werden sich auch lösen lassen. Wo
viel Öl ist, findet sich auch ein Förderweg. Nicht zuletzt schwingt sich
Brasilien auch auf, ein militärischer Mitspieler im globalen Konzert zu werden.
Platz 4: ASEAN
Hervorgehoben wird aktuell vor
allem Indonesien. Nichtsdestotrotz sollte gerade der Bali-Gipfel als Beleg
dafür gelten, auf welchem Weg nach oben sich die ASEAN-Staaten befinden.
US-Außenministerin Hillary Clinton fährt ja sogar trotz (oder gerade wegen?) der
Militärdiktatur nach Myanmar (ASEAN-Mitglied), was dazu führt, dass schon von
einem neuen Great Game zwischen den USA und China in dem Land gesprochen wird. Indien, China, Japan, Russland, Australien und die USA: Alle rangeln
um Einfluss in dieser Region.
Wirtschaftlich geht es, wenn
auch zugegeben mit manchem Hindernis wie Korruption, weiter nach oben, so dass
die ASEAN-Staaten als „Asiens neue Wachstumslokomotive“ oder „wirtschaftliche Kraftwerke“ bezeichnet werden. Wirtschaftswachstum
und Geopolitik sei Dank, geht es für ASEAN nächstes Jahr politisch steil nach
oben.
Platz 3: Australien
Wenn die USA sich mitten im Washingtoner
Etatkürzungs-Krieg dafür entscheiden, in einem Land eine neue Militärbasis einzurichten, dann muss dieses Land eine hohe geostrategische Bedeutung haben. Die Errichtung
der neuen Basis bei Darwin im Norden Australien ergibt sich natürlich aus dem
geopolitischen Bedeutungszuwachs ASEANs und Asiens. Die australische Wirtschaft wächst,
die wirtschaftlichen Zukunftsprognosen sind günstig
und in Zeiten des Rohstoffhungers
garantieren Australiens große Vorkommen an Kohle, Eisen, Kupfer, Gold, Gas und
Uran den weiteren Aufstieg des Landes fast von allein. Von nicht unerheblicher
geopolitischer Bedeutung ist es da, dass sich Australien gerade entschieden hat, Uran an die Atommacht Indien zu verkaufen.
In Deutschland nur wenig
beachtet wurde Barack Obamas vom 17.11.2011 in Canberra vor dem australischen
Unterhaus. Vier Sätze aus Obamas Rede, wenngleich sie im Text nicht so direkt aufeinander folgen, verdienen es hier
wortwörtlich in dieser Reihenfolge wiedergeben zu werden: 1. „Here, we see the future”; 2. “The United
States is a Pacific power, and we are here to stay”; 3. “We see our new posture here in Australia”;
4. „As a result, reductions in U.S. defense spending will not-I repeat, will
not-come at the expense of the Asia Pacific”.
In einem europäischen Parlament wird
ein amerikanischer Präsident in den nächsten 50 Jahren keine solche Rede
halten. Der Obama´sche Ritterschlag, die geostrategische Lage zusammen mit der
hervorragenden wirtschaftlichen Ausgangsbasis rechtfertigen in jedem Platz 3 in
dieser Liste.
Platz 2: Cyber-Außen-/Sicherheitspolitik
Wächst dieses Jahr, nächstes
Jahr und in den folgenden Jahren immer mehr an Bedeutung, ohne dass das in
einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Google, Apple, Amazon und Facebook tragen den kommerziellen Krieg um die Herrschaft im Internet aus. Hinter den Kulissen
werden logische Bomben als neue Mittel der Abschreckung in gegnerischen Netzenuntergebracht (USA-China), spionieren sich die Staaten gnadenlos aus. Bei der
jüngst abgeschossenen US-Drohne im Iran geht es ja auch darum, ob es dem Iran
gelungen ist oder durch nun zu erwerbendes Wissen gelingen wird, in
US-Netzwerke einzudringen. Das Internet dominiert Politik und Wirtschaft, so
dass es für die Politik unumgänglich ist, sich diesem Thema noch stärker
anzunehmen.
Platz 1: Transnationale Zivilgesellschaft/Internetgeneration
Das Internet dominiert nicht nur
Politik und Wirtschaft, sondern – und das ist positiv – auch mehr und mehr die
transnationale Zivilgesellschaft. Tunesien, Ägypten, Libyen, Syrien, Russland:
die Liste der Länder, in denen das Internet. Eine junge Generation vernetzt
sich rund um den Globus über den Globus. Egal, wie man inhaltlich zur
Occupy-Bewegung steht, das Stattfinden der Vernetzung als solche ist eine gute
Sache. Dieser Trend ist gerade erst im Werden. Richtig, der Hype wird abebben,
aber genauso muss es sein. Wird die fortschreitende Vernetzung der jungen
Generation Alltag, ist der Freiheit in der Welt damit weit mehr gedient, als
mit allen politischen Sonntagsreden über Demokratisierung zusammengenommen. Die technische Entwicklung geht unaufhaltsam voran. Der Wille zur Nutzung ist ungebrochen. Damit Platz 1.
Was können Deutschland und Europa tun?
Gegenüber Brasilien reicht es
völlig aus, sich auf das sportliche, sprich den Gewinn der WM zu konzentrieren.
Beim Bali-Gipfel war Europa nicht mal mit Beobachtern dabei und Australien hat
wenig bis gar kein Interesse an Europa. Dass die EU, so sieht sie sich ja
selbst immer noch, angeblich ein internationaler Akteur ist, ist in Australien unbekannt.
An vielen Stellen in der Welt
geht es aufwärts. Deutschland, Europa, wenn ihr davon profitieren wollt, schreibt
eure Hausaufgaben nicht in neuen Verträgen auf, sondern erledigt sie ganz
einfach.
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