Zu dem Thema hatte ich neulich eine längere, sehr interessante Diskussion mit
Jan Techau von
Carnegie Europe. Dass von Jan auf seinem Blog
Strategic Europe veröffentliche Fazit möchte ich euch auch hier nicht vorenthalten. Seine Eingangsfrage war: "
What is the absolute minimum military force a sovereign nation still needs in Europe today?"
Meinen Input hat Jan treffend wie folgt zusammengefasst:
"(...). But back to the original question. If the
ability to defend a territory is the criterion for what can be shared
and what can’t, there is no hope that even the smartest defense
cooperation can ever amount to anything. Too many assets could then be
claimed by each country as indispensable national property
A more interesting answer to the question is one that I received from
Felix Seidler, a young German security analyst and PhD candidate who
writes an acerbic bilingual blog.
For him, all a nation really needs are some quick reaction forces and
special operations units so that it can come to the rescue of its
citizens during an emergency abroad.
This minimum would have to include some planning, reconnaissance,
signal intelligence, and control/command capabilities, plus perhaps some
medics and tactical airlift. Everything else could be put on the table
in negotiations with allies over an effective (and efficient) division
of labor.
This does not mean that any country should go down to this
minimalistic level. It only means that it could do so without losing its
sovereignty.
I like this answer for two reasons. First, it demonstrates how
radically we need to think if we really want pooling and sharing to be
substantial enough to compensate for dwindling defense budgets. Second,
it shows us how much a country can actually afford to give away in the
Europe of 2013 without putting its security at risk. (...)"
Europa würde alleine mit Syrien nicht mehr fertig. Selbst wenn sich die großen Drei (GB, FR, D) einig wären zu intervenieren - zweifelsfrei wäre so eine Einigung ein Meilenstein -, wären Europas Streitkräfte dazu ohne die USA nicht mehr in der Lage. Es fehlt z.B. ein großer Bomber nach Vorbild der B-2 oder B-52 für
die erste Welle von Luftangriffen oder ausreichend Marschlugkörper. Und vieles andere mehr. Indirekt wird Europas Handlungsunfähigkeit auch von Entscheidungsträgern zugegeben. Man lese im folgenden Auszug aus
diesem Zeit Online Artikel zwischen den Zeilen:
"Was der Minister (De Maizière) im Hintergrund sagt, darf man nicht schreiben. Aber man
kann es so zusammenfassen: Er glaubt, dass die Einrichtung einer
Flugverbotszone komplizierter wäre, als sich das ihre Befürworter
vorstellen. Keine Bodentruppen, lautet zu dem Thema auch in den USA das
Motto. Aber wenn man Giftwaffen nicht nur finden, sondern auch dauerhaft
unschädlich machen will, führt daran kaum ein Weg vorbei." (Link)
Die Idee, dass so gut wie alles, eben bis auf das von Jan Techau genannte Minimum, auf den Verhandlungstisch in NATO und EU gehört, ist durch die Lage also alles andere als realitätsfern. Weitere, gefühlt stündlich erscheinende Negativmeldungen über Europas Abstieg und sicherheitspolitische Irrelevanz seien hier mal links liegen gelassen. Diese Debatte wird auf
dem Facebook-Profil dieses Blogs mittlerweile täglich geführt und endet immer an zwei Punkten: Nationale Souveränität und Bedenkenträgerei.
Aus diesen Diskussionen folgt der Schluss, Europas Malaise ist letztlich weniger ein militärisches, finanzielles oder sicherheitspolitisches, sondern vor allem ein mentales Problem. Also lautet die Losung: Mehr Pragmatismus wagen! Dann wird's auch was mit einer erfolgreichen europäischen Sicherheitspolitik.